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 Home > Tests > Mobilität & Reise > EuroTAP: Tunnel-Test > Testjahr 2008 > Ergebnisse

Ergebnisse: Analyse und Kritik

Wer die SS 340 bei Cernobbio am Comer See schon einmal entlang gefahren ist, kennt ihn, den 25 Jahre alten Tunnel Cernobbio, der mit seinen hellen Wänden, der ordentlichen Beleuchtung und seinen paar Pannenbuchten oberflächlich betrachtet gar keinen so schlechten Eindruck macht. Ungefähr 18 000 Fahrzeuge rollen durch diese Röhre täglich, allerdings im Gegenverkehr. Gefahrguttransporte sind zwar tabu, aber die 2 700 Lkw pro Tag sind nicht ohne - zumal sich der Verkehr fast täglich staut. Auf fast zweieinhalb Kilometern Länge gibt es nur einen Notausgang. Ob man den im Fall des Falles noch erreicht, ist allerdings fraglich, nicht nur, weil der Fluchtweg so lang und obendrein nicht gekennzeichnet ist. Notrufe sucht man vergeblich. Es gibt weder eine Videoüberwachung noch eine automatische Verkehrserfassung, keine Feuerlöscher und schon gar kein automatisches Brandmeldesystem, das die ohnehin unzureichende Lüftung aktivieren könnte.Wer wie wann im Notfall reagiert, ist reine Glücksache: Tunnelleitzentrale, Alarm- und Einsatzplan, regelmäßige Schulung des Personals, Notfallübungen – alles Fehlanzeige. Da fällt es dann auch nicht weiter auf, dass es keinerlei Möglichkeiten gibt, die Autofahrer über Verkehrsfunk, Lautsprecher oder variable Infotafeln bei Bedarf zu informieren. Alles in allem das genaue Gegenteil von dem, was einen sicheren Tunnel ausmacht. So wurde aus dem hell und freundlich anmutenden Cernobbio-Tunnel der Verlierer des Tunnel-Tests 2008 – und die rote Laterne geht zum vierten Mal in Folge nach Italien.

 
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Die Verlierer
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Die schlechteste Wertung „mangelhaft“ teilt sich der Cernobbio mit sechs anderen Tunneln: Dem Waasland im belgischen Antwerpen, den Italienern Breva (SS 340 bei Menaggio) und, überraschend, weil nagelneu, Marinasco (NSA 303 bei La Spezia) sowie Eikefet, Jernfjell und Matreberg, allesamt in Norwegen. Der spanische Pando (AP 66 bei Pola de Lena) und der deutsche Universität Düsseldorf (in Düsseldorf) erhielten die Note „bedenklich“. Der Deutsche wäre mit einem Ausreichend davon gekommen, hätte er nicht mangelhafte Ergebnisse in den Kategorien Verkehr und Verkehrsüberwachung sowie Kommunikation geliefert. Das rief das KO-Kriterium auf den Plan und bescherte ihm die Abwertung. Somit sind neun der 31 Test-Kandidaten durchgefallen – eine extrem hohe Quote, die weit über denen der vergangenen Testjahre liegt.
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Länder im Vergleich
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Die gewohnt schlechten Ergebnisse italienischer Tunnel erhellt in diesem Jahr ein Silberstreif am Horizont, finden sich doch auch zwei der insgesamt fünf getesteten Tunnel im positiven Bereich: der erst 2007 eröffnete Serrone Tondo (A 3 bei Contursi Terme) mit ausreichend und der Valsassina (SS 36 bei Lecco) mit gut. Gar nichts Positives gibt es hingegen aus Norwegen zu berichten. Alle drei Röhren landeten mit einem Mangelhaft nach dem italienischen Testverlierer auf den letzten Plätzen des Vergleichs. Applaus für die von Tunneln durchzogenen Alpenländer Österreich und Schweiz: Alle insgesamt neun Test-Tunnel schnitten positiv ab, auch wenn je ein Ausreichend das glanzvolle Bild ein wenig trübt.
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Die wichtigsten Defizite
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Die Defizite werden deutlich, wenn man sich den Notfall vor Augen führt. Stellen wir uns vor, ein Lkw prallt an die Tunnelwand, auslaufendes Benzin entzündet sich. Wertvolle Zeit vergeht, bis Sie die Gefahr überhaupt registrieren. Sie wollen den Tunnel verlassen. Der nächste Notausgang ist 500 Meter entfernt. Um ihn zu erreichen, brauchen Sie rund acht Minuten. Seit Ausbruch des Brandes sind jetzt rund zehn Minuten vergangen. Bereits nach zehn Minuten aber erreichen Hitze und Rauch ein kritisches Ausmaß. Je weiter der Notausgang entfernt ist, umso länger sind Sie diesem Rauch und giftigen Gasen ausgesetzt. Bei mehr als der Hälfte der Tunnel im Test aber war der Weg zum nächsten Notausgang oder zum Portal länger als die 500 Meter, die nach der EU-Richtlinie als Mindestanforderung gelten. Nehmen wir den Karawanken-Tunnel an der Grenze zwischen Slowenien und Österreich, stolze 7 864 Meter lang. Den Tunnel verlassen können Sie nur über die Portale, es gibt keine zusätzlichen Notausgänge. Wenn Sie sich zum Beispiel in der Mitte des Tunnels aufhalten, müssen Sie fast vier Kilometer laufen, um ein Portal zu erreichen. Noch problematischer wird Ihre Flucht, wenn Sie sich bei dichtem Rauch nicht an Notleuchten orientieren können, oder Sie nicht wissen, in welche Richtung der kürzeste Weg raus aus dem Tunnel führt. Bei fünf der Test-Kandidaten würden Sie in dieser Hinsicht im Dunkeln tappen. Spätestens jetzt wird Ihnen klar, wie wichtig die Lüftung für Ihre Rettung ist. Sie muss möglichst viel Rauch aus der Röhre schaffen. Bei mehr als einem Viertel der Tunnel war sie dazu aber nicht in der Lage. Zum Beispiel im mehr als fünf Kilometer langen Sachseln in der Schweiz, der auch nur einen Notausgang in der Tunnelmitte hat. Oder beim norwegischen Matreberg. Hier braucht man keinen Gedanken an die Lüftung zu verschwenden – es gibt keine. Auch keine zusätzlichen Notausgänge. Unter Umständen können Sie die den Unfall gar nicht auf Anhieb erkennen. Der Verkehr kommt zum Stillstand, keiner weiß, warum. Dann sind Sie auf Informationen und Anweisungen durch das Tunnel-Personal angewiesen. In weit mehr als der Hälfte der Test-Tunnel aber waren keine Lautsprecher installiert. Bei 42 Prozent war der Verkehrsfunk nicht durchgehend zu empfangen, sodass das Personal auch auf diesem Weg keine Meldungen weitergeben kann. Großes Rätselraten ebenfalls bei den Autofahrern, die noch nicht in die Röhre eingefahren sind: Variable Infotafeln oder Schranken als deutliches „Halt“ vor dem Portal vermissten die Tester bei 39 Prozent der Testkandidaten. Inzwischen sind die Rettungsmaßnahmen angelaufen – rasch und effektiv, möchte man meinen. Sie vertrauen darauf. Damit das wie am Schnürchen klappt, muss der Ernstfall immer wieder trainiert werden. Regelmäßige Notfallübungen von Betriebspersonal und Rettungskräften aber werden bei mehr als der Hälfte der Tunnel nicht durchgeführt. Noch schlimmer: Vielfach haben die Feuerwehren keinen ausreichenden Atemschutz, um überhaupt zu Ihnen vorzudringen. Bei starkem Rauch können sie sich nur sehr langsam bewegen, brauchen für einen Weg von 300 Metern unter Umständen eine halbe Stunde. Bei 45 Prozent der Feuerwehren reicht der Atemschutz nicht einmal eine Stunde. Das langt dann gerade noch für den Rückzug.
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Fazit
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Der positive Trend der vergangenen Jahre kam heuer ins Stocken. Der Tunnel-Test 2008 liefert das schlechteste Ergebnis seit fünf Jahren. Das mag ein Zufall sein und an der Auswahl liegen. Tatsache ist aber auch: Noch wird in Europa längst nicht alles saniert und renoviert, was der Verbesserung bedarf. Seit nunmehr zehn Jahren setzen sich der ADAC und seine europäischen Partnerklubs im eigenen Land und auf internationaler Ebene vehement für eine Verbesserung der Tunnelsicherheit ein. Die Tunnel-Tests haben überhaupt erst das Bewusstsein dafür geschaffen. Dass sich Vieles in den vergangenen Jahren verbessert hat, ist durchaus auch der beharrlichen Arbeit der Automobilklubs zuzuschreiben. Ein Einsatz, der auch in Zukunft nötig sein wird, wie der diesjährige Test beweist. EuroTAP wird nicht nachlassen, Defizite aufzudecken und die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Damit auch bei den Tunneln nicht nur die Verpackung stimmt, sondern auch der Inhalt. (Die detaillierten Ergebnisse finden Sie als Grafiken unter „Die Sollseite auf einen Blick: Ergebnisse".)
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